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Kaum waren die ersten Prognosen über den Äther gejagt, fragt doch tatsächlich Andreas Cichowicz vom NDR in einer Schalte nach Berlin  Ulrich Deppendorf vom WDR, ob Olaf Scholz jetzt nicht Kanzlerkandidat der SPD für die nächste Bundestagswahl sei. Antwort Deppendorf: das kann man wohl so sehen. Hallo? Das war meines Erachtens wieder einmal ein typisches Beispiel dafür, wie einzelne Journalisten irgendwelche Themen aufs Tapet heben, die vor Ihnen noch keiner als wichtig oder überhaupt gar nennenswert erachtet hatte.

Ich bin bei jeder Landtagswahl seit Jahrzehnten immer wieder überrascht, wie man darauf kommen kann, dass ein Ministerpräsident, der eben von den Wählern im Amt bestätigt wurde, nun potentieller Kanzlerkandidat seiner Partei sei. Die Journalisten, die solche Dinge in die Welt setzen, scheinen Nachdenken nicht zu ihren Stärken zu zählen. Es ist schon fast wie ein Pawlow’scher Reflekt: Sieg = Kanzlerkandidat.

Liebe Leute, lasst Euch sagen: ob jemand, der oder die ein gute_r Ministerpräsident_in ist, auch ein_e gute_n Kanzler_in abgibt (schrecklich diese gendergerechten Formulierungen…), ist überhaupt nicht erwiesen. Im Gegenteil: wie häufig schon haben wir – bzw. habe ich – es schon erlebt, dass ein erfolgreicher Ministerpräsident, zum Kanzlerkandidaten ausgerufen, kläglich gescheitert ist (gibt es übrigens bei allen Parteien).

Also: erstmal nachdenken, dann plappern!

 

Ja, ich bin für Olympische Spiele in Berlin. Ja, ich bin dafür, dass sich Berlin erneut als weltoffene und sportinteressierte Stadt präsentiert. Ja, ich bin dafür, dass Berlinerinnen und Berliner die Sportler aus aller Welt herzlich in ihrer Stadt willkommen heißen können.

Noch steht nicht fest, welcher Stadt – Hamburg oder Berlin – der DOSB den Vorzug geben wird. Ende Februar soll ein unabhängiges Marktforschungsinstitut in beiden Städten die Stimmung der Bevölkerung ausloten. Berliner sind ja von Haus‘ aus eher mäkelig – ich weiß, wovon ich schreibe, ich bin selbst einer. Daher wird es nicht ganz einfach, Stimmung für Olympia in Berlin zu machen.

Ich höre sie schon, die ewigen Pessimisten: „Berlin schafft das nicht“ (Stichwort: BER), „Ich bin gegen die Verschwendung von Steuergeldern“, „Durch das Olympische Dorf wird dringend benötigter Wohnraum blockiert“ oder „Warum werden nicht erst die Bürgerinnen und Bürger beteiligt“.

Denen halte ich entgegen: woran sollen sich denn die Bürgerinnen und Bürger beteiligen? An der Entscheidung, daß überhaupt Olympia nach Berlin kommt? Werden sie ja – wie gesagt: Ende Februar wird es eine repräsentative Befragung geben. Worüber noch? Ob das Olympische Dorf auf die dann ehemalige Fläche von TXL kommt? Welche Sportstätten ertüchtigt werden? Wie viel Geld Berlin investieren soll? Ja, klar, aber eines nach dem anderen. Jetzt geht es ja erst einmal um die Grundsatzentscheidung. Wer jetzt schon nach Bürgerbeteiligung ruft, der würde wohl auch seine Wohnung, für die er noch gar keinen Mietvertrag hat, schon mal Möbel kaufen! Nochmal zum Mitschreiben: Der DOSB fällt im März die Entscheidung, ob Berlin oder Hamburg. Erst danach macht es Sinn, Bürgerinnen und Bürger zu beteiligen. Der Senat musste im letzten Oktober ein Grobkonzept einreichen. Das ist auch richtig so – worüber soll sonst anschließend diskutiert werden? Grobkonzept heißt „GROB“-Konzept. Nägel mit Köpfen werden erst nach der Entscheidung des DOSB gemacht. Dann kann drüber diskutiert werden, ob das Olympische Dorf auf dem ehemaligen Flughafen Tegel errichtet wird. Was spricht i.ü. dagegen? Ein Olympisches Dorf steht normalerweise nach den Spielen nicht leer. Im Gegenteil: es wird bewohnt. Von „normalen“ Bürgerinnen und Bürgern. Das hat schon nach den Spielen in München 1974 geklappt. Warum soll das nicht 2024 auch klappen?

Offenbar hat sich auch noch nicht herumgesprochen, dass der DOSB (und beide zur Frage stehenden Städte) kein Interesse daran haben, gigantische Spiele auszurichten. Im Gegenteil: ist herrscht Einigkeit darüber, dass die Investitionen nachhaltig sein müssen. Ich sehe weit und breit keinen Putin – weder in Hamburg noch in Berlin – der gigantische Spiele für sein Ego braucht. Der gemeine Berliner sowieso nicht!

Berlin hat bereits viele Sportstätten, die teilweise nur ertüchtigt werden müssten, ein Olympiastadion gibt es schon ein paar Jährchen, muss also auch nicht neu gebaut werden. Es soll sogar U- und S-Bahnen, Bus- und Tram-Linien in Berlin geben, der recht zuverlässig ihren Dienst versehen.

Ich habe was gegen die ewigen Nörgler! Ich bin FÜR die Ausrichtung der Spiele in MEINER Stadt. Weil es auch eine Chance für Berlin, für Deutschland ist, sich zu präsentieren wie 2006 bei der Fußball-EM: weltoffen, freundlich, begeisterungsfähig. Ihr Sportler der Welt, seid willkommen in dieser Stadt: ich freue mich auf Euch!